Geschichte
Die Anfänge der Energie- und Wasserversorgung in Mannheim um die Jahrhundertwende
Mit der Inbetriebnahme des Wasserwerks Käfertal und des Wasserrohrnetzes beginnt 1888 die zentrale Trinkwasserversorgung in Mannheim. 1899 geht das Elektrizitätswerk am Industriehafen mit einer Leistung von 3,5 MW in Betrieb und versorgt Mannheim erstmals mit Strom. Im Jahre 1900 wird das Gaswerk Luzenburg in Betrieb genommen. Am 8. November 1921 wird unter Beteiligung der Stadt Mannheim die Grosskraftwerk Mannheim Aktiengesellschaft (GKM) gegründet, um ein Gemeinschaftskraftwerk ohne eigenes Versorgungsgebiet in Mannheim-Neckarau am Rhein zu bauen. 1923 geht das GKM mit einer Leistung von 12,5 MW in Betrieb. Es zählt heute mit einer elektrischen Leistung von 1545 MW und einer thermischen Leistung von 1000 MW zu den größten und modernsten Steinkohlekraftwerken in Deutschland und produziert Strom und Fernwärme im ressourcenschonenden Verfahren der Kraft-Wärme-Kopplung.
Die Stadtwerke Mannheim formieren sich
Nach dem Zweiten Weltkrieg werden die Energie- und Wasserversorgungsunternehmen zunächst als Eigenbetriebe der Stadt Mannheim geführt. Der Beginn der Fernwärmelieferung aus dem Grosskraftwerk Mannheim 1962, die Inbetriebnahme des Müllheizkraftwerkes auf der Friesenheimer Insel 1964 und die Ablösung der Stadtgaserzeugung durch die Erdgasbelieferung 1968 sind wichtige Ereignisse, die bis heute für die Positionierung des Unternehmens von Bedeutung sind. 1974 wird der Eigenbetrieb "Stadtwerke Mannheim" aus der städtischen Verwaltung ausgegliedert und in eine privatrechtliche Gesellschaft umgegründet. Damit werden wesentliche Voraussetzungen für die weitere erfolgreiche Entwicklung der Unternehmensgruppe über die Stadtgrenzen hinaus geschaffen.
Die Stadtwerke Mannheim AG (SMA) wird geschaffen
Mit Wirkung vom 1. Oktober 1974 werden die Versorgungstätigkeiten von den Verkehrsaufgaben durch Umgründung in die Stadtwerke Mannheim AG (SMA) und die Mannheimer Verkehrs-Aktiengesellschaft (MVG) getrennt und unter einer gemeinsamen Holdinggesellschaft, der Mannheimer Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH (MVV) zusammengefasst. Die bisherige Energie- und Wasserwerke Rhein-Neckar Aktiengesellschaft (RHE) bleibt als selbständige Tochtergesellschaft der SMA bestehen. Alleinige Gesellschafterin der MVV wird die Stadt Mannheim.
Die SMA fokussiert sich nach der Umgründung zunächst auf das Verteilungs- und Endkundengeschäft in Mannheim mit Strom, Wärme, Gas und Wasser. Seit 1982 wird die historisch gewachsene Fernwärme- und Erdgasversorgung auf der Grundlage eines effizienten und umweltfreundlichen Energieversorgungskonzeptes konsequent ausgebaut. Kernstück dieses Konzepts ist die Aufteilung des Stadtgebietes in Vorzugsgebiete, in denen neben Strom entweder Fernwärme oder Erdgas angeboten wird. In Mannheim werden heute bereits 85% der Wohnungen durch leitungsgebundene Energieträger unseres Unternehmens wärmeversorgt. In 1987 geht die 13,6 km lange Fernwärmetransportleitung Mannheim-Heidelberg in Betrieb. Der konsequente Ausbau der leitungsgebundenen Energieversorgung führt zum Rückgang der Kohle- und Ölbefeuerten Energieversorgung und trägt damit wesentlich zur Verbesserung der Luftqualität in Mannheim und im Ballungsraum Rhein-Neckar bei.
Die internationale Ausrichtung beginnt im Jahr 1990 mit dem ersten großen Consultingauftrag in Polen zur Sanierung und Modernisierung des Fernwärmesystems der Stadt Warschau. 1993 folgen weitere größere Aufträge in Budapest und Shanghai im Zuge der ausgeweiteten internationalen Consultingaktivitäten.
Die Liberalisierung der Strom- und Gasmärkte 1998 führt für das Unternehmen zu fundamentalen Veränderungen.
Umbenennung in MVV Energie AG und Börsengang
Zum 1. Oktober 1998 wird die MVV Gruppe neu strukturiert und die Unternehmen umfirmiert. Unter dem Dach der MVV GmbH als Holding sind jetzt die MVV Energie AG (frühere Stadtwerke Mannheim AG) und die MVV Verkehr AG (frühere Mannheimer Verkehrs-Aktiengesellschaft) unabhängig voneinander angehängt. Die MVV Energie AG und ihre Tochter MVV RHE AG bilden die MVV Energie Gruppe, die im März 1999 als erstes kommunales und regionales Versorgungsunternehmen in Deutschland an die Börse geht.
Die MVV Energie-Aktie wurde zunächst teil des SMAX. Mit der Neuordnung der deutschen Aktienindizes wird sie im März 2003 in den verkleinerten SDAX aufgenommen und gehört damit zu den 130 Top-Aktien des klassischen Börsensektors (DAX 30, MDAX 50, SDAX 50). Zu diesem Sektor gehören nur Werte, die die Voraussetzungen des neuen Prime Standard erfüllen. Innerhalb des neuen SDAX ist die MVV Energie AG nun aufgrund ihrer hohen Marktkapitalisierung ein bedeutender Wert.
An der ersten Hauptversammlung seit dem Börsengang am 11. Februar 2000 im Mannheimer Rosengarten nehmen über 1000 Aktionäre teil. Bei der Hauptversammlung am 14. März 2003 sind es über 1500 Aktionäre.
Deutliches Wachstum nach dem Börsengang
Seit dem Börsengang wächst die MVV Energie weit über die frühere Stadtwerke Mannheim AG hinaus in eine neue Dimension. Ihre Unternehmensentwicklung folgt einer klaren wertorientierten Wachstumsstrategie, die seit dem Börsengang konsequent verwirklicht wird. Die MVV Energie gilt inzwischen als eines der innovativsten und erfolgreichsten Unternehmen der deutschen Energiebranche.
Im Jahr 2000 erwirbt die MVV Energie 50% + eine Aktie an der Energieversorgung Offenbach AG (EVO). Es folgen in 2001 Beteiligungen mit jeweils 49,9% an der Stadtwerke Solingen GmbH (SWS GmbH) und an der Stadtwerke Ingolstadt Beteiligungen GmbH & Co. KG (SWI). Der Bereich Multi-Utility-Dienstleistungen wird laufend ausgeweitet. Auch international baut die MVV Energie ihre Stellung im Bereich Service- und Verteilerunternehmen weiter aus. Im Jahr 2002 erwirbt ein Konsortium aus Ruhrgas Energie Beteiligungs-AG und MVV ESCO Polska S.A., der polnischen MVV Energie-Tochtergesellschaft, 49,9% der Anteile am Fernwärmeversorger der Stadt Stettin (Polen). Auch in Tschechien hält die MVV Energie Beteiligungen an 7 regionalen Fernwärmegesellschaften. Europaweit wird die MVV Energie zum fünftgrößten Fernwärmeunternehmen. Im Bereich Biomassekraftwerke gehört die MVV Energie nach Inbetriebnahme von drei Kraftwerken im Jahre 2003 zu den wichtigsten Unternehmen Deutschlands.
Zum Ende des Geschäftsjahres 2002/2003 ging der langjährige Vorstandsvorsitzende Roland Hartung in Ruhestand. Ihm folgte zum 1. Oktober 2003 Dr. Rudolf Schulten. Der 1955 in Göttingen geborene Diplom-Kaufmann war zuletzt als Finanzvorstand der Berliner Vattenfall-Europe-Tochter Bewag AG tätig.
Am 30. April 2004 erhielt die MVV Energie den Zuschlag für den Kauf der 51%-Beteiligung an den Stadtwerken Kiel. Mit dieser profitablen neuen Beteiligung setzen wir unsere wertorientierte Wachstumsstrategie fort und erschließen neues Vertriebs- und Optimierungspotenzial.
Im Geschäftsjahr 2005/06 werden die 100prozentigen Tochterunternehmen MVV Energiedienstleistungen GmbH und die MVV Umwelt GmbH gegründet, es findet eine Kapitalerhöhung um knapp 10% statt.
Im Geschäftsjahr 2006/07 wird die Gründung der Shared-Services-Gesellschaften beschlossen: 24/7 Netze GmbH, 24/7 United Billing GmbH, 24/7 IT-Services GmbH, 24/7 Metering GmbH, 24/7 Trading GmbH, 24/7 Insurance Services GmbH. MVV Energiedienstleistungen GmbH erwirbt die IVB Immobilien Versorgung GmbH, Berlin und den Industriepark Gersthofen Servicegesellschaft mbH & Co.KG (IGS).
Im Geschäftsjahr 2007/08 verkauft die Stadt Mannheim 26,1% der MVV Energie AG an die RheinEnergie AG, Köln. Die zweite Linie der TREA Leuna geht in den Betrieb, wodurch die Kapazität der Anlage auf 390.000 Tonnen Abfall pro Jahr steigt. Durch eine Kapitalerhöhung mit Bezugsrecht der Altaktionäre steigt die Höhe des Grundkapitals um knapp 18 Prozent.
Im Geschäftsjahr 2008/09 verkauft MVV Energie ihre Tochter MVV Polska an E.On edis energia. Der bundesweite Strom- und Gasvertrieb mit Secura Energie GmbH geht an den Start. Das Verwaltungshochhaus am Mannheimer Luisenring wird saniert und MVV Eergie gründet die MVV Environment Ltd. in London (Großbritannien).
Im Geschäftsjahr 2009/10 geht im Dezember 2009 der Kessel 6 im HKW Mannheim in Betrieb. Im April 2010 findet der erste Spatenstich für den Wärmeverbund Ingolstadt, dem größten Abwärme- und Fernwärmeprojekt in Bayern, statt. Im Juni 2010 erwirbt MVV Energie einen Windpark in Mecklenburg-Vorpommern. Im September 2010 ist die technische Inbetriebnahme der Fernwärmetransportleitung nach Speyer.
Wichtige Ereignisse im Geschäftsjahr 2010/11
- Die Energieversorgung Offenbach AG investiert am Standort Kirchberg im Rhein-Hunsrück-Kreis in den Bau von 23 WINDENERGIEANLAGEN. Die Gesamtleistung wird knapp 53 MW betragen. Die Anlagen sollen bis Ende Dezember 2011 ans Netz gehen.
- Der Ausbau der Fernwärmenetze an den Standorten Mannheim, Kiel, Offenbach und Ingolstadt erfolgt planmäßig. Das FERNWÄRMEVERBUNDPROJEKT in Ingolstadt wurde am 6. Juli 2011 in Betrieb genommen. Die Stadtwerke Ingolstadt Energie GmbH nutzt die aus Abwärme erzeugte Fernwärme zur Versorgung von lokalen Groß- und Privatkunden.
- Die Energieversorgung Offenbach AG (EVO) hat im Mai 2011 ihr neues HOLZPELLETWERK in Betrieb genommen. Die EVO betreibt 40 regionale Nahwärmenetze, davon 18 auf Basis von Holzpellets.
- Mit dem Großauftrag zu Planung, Bau und Betrieb einer THERMISCHEN ABFALLVERWERTUNGSANLAGE in der englischen Hafenstadt Plymouth stellen wir unsere Erfahrung in der ökologischen Verwertung von Abfällen international unter Beweis.
- Unsere Tochtergesellschaft MVV Umwelt Ressourcen GmbH erhält nach europaweiten Ausschreibungen die Aufträge für die THERMISCHE VERWERTUNG der kommunalen Abfälle der Städte Mannheim und Heidelberg sowie des Rhein- Neckar-Kreises.
- Mit der Beteiligung an einer BIOMETHANANLAGE in Klein Wanzleben in Sachsen- Anhalt ist der MVV Energie Gruppe der Einstieg in die Biomethanerzeugung gelungen.
- MVV Energie CZ a.s. hat mit der Übernahme eines HEIZKRAFTWERKS mit thermischer Abfallverwertung in der Stadt Liberec ihre Position als einer der führenden Fernwärmeversorgerin derTschechischen Republik weiter ausgebaut.