Nach dem Herbstgutachten 2004 rechnen die sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute für das Jahr 2005 in Deutschland mit einem Wirtschaftswachstum von 1,5%, das damit unter dem für 2004 prognostizierten Wachstum von 1,8% liegen dürfte. Angesichts der verhaltenen Wirtschaftsentwicklung in Deutschland erwarten wir keine wesentlichen konjunkturellen Impulse für unser Geschäft als Energieverteiler.
In unserer Branche wird das wirtschaftliche Umfeld auch im Geschäftsjahr 2004/05 von dem sich weiter entwickelnden Wettbewerb auf den Strom- und Gasmärkten geprägt sein. Darüber hinaus wird die Geschäftsentwicklung in unseren Kerngeschäftssegmenten Wärme, Gas und Wasser in starkem Maße vom Witterungsverlauf beeinflusst. Im Dienstleistungsgeschäft agiert unser Unternehmen in einem weiter dynamisch wachsenden Markt für Energiedienstleistungen, in dem sich die MVV Energie Gruppe bereits erfolgreich etabliert hat. Hier rechnen wir daher mit einer deutlich steigenden Nachfrage. Auch im Bereich Umwelt - und hier insbesondere bei der thermischen Restmüllverwertung - ist eine positive Entwicklung abzusehen: Aufgrund der Technischen Anleitung Siedlungsabfall (TASi) dürfen im Inland ab dem 1. Juni 2005 Siedlungsabfälle nicht mehr unbehandelt deponiert werden. Als einer der größten thermischen Müllverwerter in Deutschland rechnen wir damit, von dem sich hieraus ergebenden Anstieg der stofflich nicht mehr verwertbaren Restmüllmengen zu profitieren.
Die deutsche Regulierungsbehörde für Strom und Gas wird voraussichtlich im Laufe des Jahres 2005 ihre Tätigkeit aufnehmen. Weder ihre genaue Zielsetzung noch ihre Kompetenzen bzw. Verfahren und Instrumente sind bisher abschließend definiert. Wir gehen davon aus, dass die Regulierungsbehörde mit neuen Vorgaben für die Netzbetreiber für mehr Wettbewerb auf dem inländischen Strom- und Gasmarkt sorgen wird. Verbesserungen erwarten wir im grenzüberschreitenden Stromhandel und bei der Regelenergie mit der Folge, dass wir als Verteilerunternehmen zukünftig unseren Strombedarf unter besseren Wettbewerbsbedingungen am Markt eindecken können.
Die Netzregulierung wird voraussichtlich Druck auf die Entgelte sowohl für die Netznutzung von Transportnetzen im Hochspannungsbereich als auch im Bereich der Endverteilernetze ausüben.
Da dies auf unseren Ertrag Auswirkungen haben dürfte, ist derzeit schwer abzuschätzen, welchen Effekt die Netzregulierung für unser Segment Strom per Saldo haben wird.
Die Erdgaspreise, die mit zeitlicher Verzögerung weitgehend der Ölpreisentwicklung folgen (Ölpreisbindung), werden im Jahr 2005 infolge der stark angestiegenen Heizölpreis ebenfalls deutlich anziehen. Wesentliche Impulse für einen funktionierenden Wettbewerb im Gasmarkt werden von einem verbesserten Netzzugangsmodell und einer neuen Entgeltsystematik erwartet.
Bei den Strompreisen drohen sowohl bei den Großhandelspreisen als auch bei den Netzentgelten auf Höchstspannungsebene weitere Steigerungen. Einige der großen deutschen Übertragungsnetzbetreiber haben für 2005 Entgelterhöhungen von bis zu 19% auf Höchstspannungsebene angekündigt. Die Großhandelspreise zum Ende des Geschäftsjahres 2003/04 lassen einen Preisanstieg für das Geschäftsjahr 2004/05 erwarten. | |